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Primäre Immundefekte (schwer)

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Letzte Aktualisierung: 10.08.2020 · automatisch geprüft, stichprobenartig geprüft

# Primäre Immundefizienzen (schwer)

Was ist das

Primäre Immundefizienzen sind Erbkrankheiten, bei denen das Immunsystem von Geburt an nicht richtig funktioniert. Das bedeutet, dass der Körper nicht genug Abwehr gegen Bakterien, Viren und Pilze hat. Diese Störungen entstehen durch einen erblichen Fehler in Genen, die für das Immunsystem wichtig sind.

Es gibt Dutzende verschiedener Formen. Einige sind mild und fallen erst auf, wenn jemand erwachsen ist. Andere, die schweren Formen, werden schon früh bemerkt, weil Babys und kleine Kinder immer wieder krank werden. Diese schweren primären Immundefizienzen können ohne Behandlung lebensbedrohlich sein.

Es geht nicht um Immundefizienzen, die man sich zuzieht (wie HIV), sondern um Defekte, die man von den Eltern geerbt hat. Sie entstehen, weil ein bestimmtes Teil des Immunsystems — zum Beispiel bestimmte weiße Blutkörperchen, Antikörper oder Signalproteine — nicht richtig entwickelt ist oder nicht richtig funktioniert.

Ursachen

Primäre Immundefizienzen werden durch Mutationen (Abweichungen) in Genen verursacht. Diese Gene geben die Anleitung für die Herstellung von Bestandteilen des Immunsystems. Wenn so ein Gen nicht richtig funktioniert, kann der Körper bestimmte Abwehrzellen oder Abwehrstoffe nicht richtig herstellen oder verwenden.

Die erbliche Ursache kann auf verschiedene Weisen weitergegeben werden:
- **Autosomal-rezessiv**: Du brauchst von beiden Eltern dieselben mutierten Gene, um die Krankheit zu bekommen. Deine Eltern sind oft Träger (haben die Mutation, werden aber nicht krank).
- **X-gebunden**: Vor allem Jungen werden krank, weil sie nur ein X-Chromosom haben. Mädchen können Trägerinnen sein.
- **Autosomal-dominant**: Du brauchst von nur einem Elternteil ein mutiertes Gen zu erben.

Der Schweregrad hängt davon ab, welches Gen betroffen ist und wie schwer der Fehler ist. Bei schweren Formen sind ganze Teile des Immunsystems unterentwickelt oder fehlen, wie bestimmte Arten von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) oder die Fähigkeit, Antikörper zu bilden.

Wie die Krankheit verläuft

Die Krankheit beginnt von Geburt an, aber die Symptome werden normalerweise schnell deutlich. Bei schweren Formen werden Neugeborene und kleine Säuglinge innerhalb von Wochen oder Monaten sehr krank. Ohne Behandlung können diese Störungen tödlich sein.

Mit Behandlung kann der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein:
- Einige schwere Formen können mit einer **Stammzelltransplantation** (Knochenmarktransplantation) geheilt werden.
- Andere Formen erfordern **lebenslange Ersatztherapie**, zum Beispiel mit Antikörpern oder Immunzellen durch Infusionen.
- Bei bestimmten Formen hilft **Gentherapie** — dies ist eine Behandlung, bei der die defekten Gene repariert werden.
- Für einige Patienten ist kontinuierliche **Infektionsprävention** und schnelle **Behandlung von Infektionen** erforderlich.

Der Krankheitsverlauf hängt stark von der spezifischen Diagnose ab, wie früh die Krankheit erkannt wird und welche Behandlungen verfügbar sind. Kinder, die früh erkannt und behandelt werden, können oft zur Schule gehen und relativ normal aufwachsen, obwohl sie vorsichtig sein müssen.

Symptome pro Stadium

**In der Säuglingsperiode (erste Lebensmonate):**
- Wiederholte schwere bakterielle Infektionen (Lunge, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung)
- Anhaltender Durchfall und Wachstumsverzögerung
- Pilzinfektionen im Mund oder auf der Haut
- Eiter- und Entzündungsherde auf der Haut und in Wunden
- Vergrößerte Lymphknoten und Milz (manchmal abnorm klein)
- Schwere Grippe oder COVID-19

**Warnsignale in der frühen Kindheit:**
- Mehr als vier Speicheldrüsenentzündungen pro Jahr oder zwei Lungenentzündungen pro Jahr
- Infektionen, die ungewöhnlich schwer sind oder lange anhalten
- Infektionen mit ungewöhnlichen (opportunistischen) Mikroorganismen
- Allergische Erscheinungen, Hautausschlag oder Autoimmunerscheinungen
- Fehlende Gewichtszunahme

**Bei bestimmten Formen können auch auftreten:**
- Magen- und Darmprobleme (Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust)
- Entzündungen in Gelenken oder Organen
- Unterentwicklung bestimmter Körperteile

Was es für das tägliche Leben bedeutet

Bei Kindern und Erwachsenen mit schweren primären Immundefizienzen erfordert der Alltag viele Vorsichtsmaßnahmen und Disziplin:

**Infektionskontrolle:**
Viele Patienten müssen vermeiden, dass sie mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Dies kann bedeuten, dass sie:
- Nicht zur Schule gehen können, wenn viele Kinder krank sind
- Vorsichtig sein müssen bei vielen Menschen um sich herum
- Zusätzliche Hygienemaßnahmen treffen müssen
- Bei bestimmten Formen fast steril leben müssen (Isolationsbereich)

**Regelmäßige medizinische Betreuung:**
- Viele Ambulanzbesuche und Laboruntersuchungen
- Regelmäßige Infusionen oder Injektionen (intravenös oder unter der Haut)
- Enge Überwachung durch Spezialisten

**Schule und gesellschaftliches Leben:**
Dies variiert stark. Manche Kinder können zur Schule gehen, wenn sie gut behandelt werden und Vorsichtsmaßnahmen treffen. Andere müssen Hausunterricht erhalten. Freundschaften und Kontakt mit Gleichaltrigen können schwierig sein.

**Psychische Belastung:**
Die Krankheit und die Behandlungen können für Kind und Eltern emotional belastend sein. Isolation, Angst vor Infektionen und Unsicherheit über die Zukunft spielen eine Rolle.

**Ernährung und Magen-Darm-Trakt:**
Viele Patienten haben Magen-Darm-Probleme. Spezielle Diäten oder Ernährung über eine Sonde können erforderlich sein.

Aussichten

Die Aussichten hängen stark davon ab:
- **Die spezifische Form** der primären Immundefizienzen
- **Wie früh** die Diagnose gestellt und die Behandlung begonnen wird
- **Welche Behandlungen** verfügbar sind und wie gut sie wirken
- **Wie gut** Infektionen verhindert und behandelt werden können

**Verschiedene Szenarien:**
- Bei bestimmten schweren Formen (wie SCID) kann eine erfolgreiche Stammzelltransplantation in den ersten Lebenswochen zu vollständiger Heilung führen.
- Bei anderen Formen können Patienten mit regelmäßiger Ersatztherapie (Antikörper per Infusion) jahrzehntelang relativ gesund leben.
- Bei einigen Formen hilft Gentherapie — ein neuerer Ansatz, der bei einigen Patienten sehr wirksam war.
- Andere bleiben abhängig von intensiver medizinischer Unterstützung und Infektionsprävention.

**Wichtiger Hinweis:** Die Überlebensraten unterscheiden sich je nach Form und Zeitpunkt der Diagnose stark. Daten aus den letzten Jahren zeigen, dass frühe Erkennung und Zugang zu modernen Behandlungen (Stammzelltransplantation, Gentherapie, Ersatztherapie) die Ergebnisse stark verbessert haben, besonders in Ländern mit fortgeschrittener medizinischer Versorgung. Dies sagt jedoch nichts über die Aussichten eines einzelnen Patienten aus.

Häufig gestellte Fragen

**Kannst du primäre Immundefizienzen verhindern?**
Nein, denn sie sind genetisch bedingt. Es ist nichts, das du "bekommen" kannst. Allerdings können Eltern, die beide Träger sind, mit Hilfe von genetischen Beratern Entscheidungen zur Familienplanung treffen. Die Krankheit selbst kannst du nicht verhindern, aber frühe Erkennung und schnelle Behandlung sind entscheidend.

**Darf eine Person mit schwerer primärer Immundefizienzen regelmäßige Impfungen erhalten?**
Dies hängt von der Form und davon ab, wie schlecht das Immunsystem funktioniert. Bei sehr schweren Formen können viele regelmäßige Impfstoffe nicht gegeben werden, da der Körper nicht gut darauf reagiert und weil einige Impfstoffe (mit abgeschwächten Viren) gefährlich sein können. Der behandelnde Arzt bestimmt, welche Impfstoffe sicher und sinnvoll sind. Familienmitglieder und Pflegekräfte erhalten manchmal zusätzliche Impfungen zum Schutz.

**Ist primäre Immundefizienzen erblich? Können Kinder sie bekommen?**
Ja, es ist erblich. Je nach Vererbungsmechanismus können Kinder einer betroffenen Person ein Risiko haben. Genetische Berater können dabei helfen, dieses Risiko einzuschätzen. Nicht alle Kinder von Eltern mit primären Immundefizienzen werden notwendigerweise krank.

**Kann die Krankheit geheilt werden?**
Bei bestimmten Formen ja. Stammzelltransplantation und Gentherapie haben bei bestimmten Patienten zu Heilung geführt. Bei anderen Formen kann die Krankheit gut kontrolliert werden, verschwindet aber nicht vollständig. Dies hängt von der spezifischen Diagnose und den verfügbaren Behandlungen ab.

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_Diese Informationen ersetzen niemals das Urteil eines Arztes. Bespreche deine Situation immer mit deinem Behandler._

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Verwendete Quellen

Über jeder Quelle steht in einem Satz, worum es in der Untersuchung geht, damit du dich nicht auf einen englischen Fachtitel verlassen musst. Weitere Studien zu Primären Immundefizienzen (schwer) findest du bei Veröffentlichungen und Studien.

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