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Mitochondriale Erkrankungen

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Letzte Aktualisierung: 10.08.2020 · automatisch geprüft, stichprobenartig geprüft

# Symptome und Stadien mitochondrialer Erkrankungen

Mitochondriale Erkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich, je nachdem welche Gene betroffen sind, welche Gewebe am meisten unter Energiemangel leiden und in welcher Lebensphase Symptome auftreten. Dieser Reiter beschreibt, wie sich die Krankheit typischerweise entwickelt und welche Beschwerden in verschiedenen Stadien auftreten.

Frühe Manifestation (Jugend bis junges Erwachsenenalter)

Bei vielen Menschen mit einer erblichen mitochondrialen Erkrankung treten die ersten Symptome bereits in der Kindheit oder frühen Adoleszenz auf, obwohl dies stark variieren kann. Bei anderen bleiben Symptome jahrelang aus und entstehen erst im Erwachsenenalter.

**Häufige Beschwerden in dieser Phase:**
- Müdigkeit und geringe Belastungstoleranz (Schwierigkeiten beim Sport, Spielen oder Arbeit in normaler Intensität)
- Muskelschwäche oder Muskelschmerzen, besonders nach Anstrengung
- Entwicklungs- oder Lernprobleme (verzögerte motorische Entwicklung, Konzentrations- oder Gedächtnisschwierigkeiten)
- Verdauungsbeschwerden: Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Schluckstörungen
- Sehprobleme oder Augenbewegungsstörungen
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Hörstörungen
- Bei Neugeborenen: Fütterungsprobleme, Wachstum unter der Norm, Schläfrigkeit

**Bedeutung für das tägliche Leben: **
In dieser Phase können Kinder oder Jugendliche weniger mit Gleichaltrigen spielen. Die Schule kann schwieriger werden, besonders bei längerer Konzentration. Im Alltag bleiben normale Aktivitäten oft möglich, obwohl Ruhe erforderlich sein kann. Viele Jugendliche profitieren von Struktur und Anpassungen (zum Beispiel kürzere Schultage, Pausen).

**Zahlen zu dieser Phase: **
Der Schweregrad und die Progression variieren stark. Bei einigen Formen (zum Beispiel bestimmte mtDNA-Deletionen oder MELAS) kann die Progression relativ schnell sein und bereits im ersten Jahrzehnt des Lebens zu erheblichen Einschränkungen führen. Bei anderen Formen (wie bestimmte nukleäre Mutationen) kann sich die Krankheit viel langsamer entwickeln. Es gibt keine einheitliche Naturgeschichte, die für alle mitochondrialen Erkrankungen zusammen gilt; die Global Registry and Natural History Study for Mitochondrial Disorders (2026-gegenwärtig) sammelt derzeit Daten, um dies besser zu erfassen. Die individuelle Variation ist sehr groß.

Progressive Phase (Erwachsenenalter)

Mit den Jahren nehmen die Symptome bei vielen Patienten zu oder neue Beschwerden treten auf. Die Körperzellen können zunehmend weniger Energie produzieren, besonders unter Belastung.

**Häufige Beschwerden in dieser Phase:**
- Zunehmende Muskelschwäche und Muskelatrophie
- Verstärkte Müdigkeit; oft entsteht Post-Exertional Malaise (Verschlimmerung von Symptomen nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, mit Erholungszeit von Stunden bis Tagen)
- Herzbeschwerden: Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Zeichen von Herzversagen
- Neurologische Symptome: Tremor, Koordinationsstörungen (Ataxie), schlechtere Handfertigkeit
- Insulinunabhängiger Diabetes
- Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
- Nierenfunktionsstörungen
- Fortschreitender Hörverlust
- Sehverlust aufgrund von Sehnervenproblemen
- Kognitive Verschlechterung, Gedächtnisprobleme
- Angststörungen oder depressive Symptome
- Magen-Darm-Beschwerden und Absorptionsprobleme
- Bei schwereren Formen: Hirnverkalkungen, Hirngewebeschädigung, Schlaganfälle ohne klassische Ursache (MELAS-ähnliche Episoden)

**Bedeutung für das tägliche Leben: **
In dieser Phase werden viele Menschen abhängig von Unterstützung, Anpassungen zu Hause und bei der Arbeit. Feste Arbeitszeiten können unmöglich werden; Fernarbeit oder teilweise Arbeit ist oft erforderlich. Einige benötigen Mobilitätshilfen. Ärztliche Kontrollen werden häufiger. Familienmitglieder sind viel stärker in die Pflege involviert.

**Zahlen zu dieser Phase: **
Bei MELAS (mitochondriale Enzephalomyopathie, Laktatazidose und schlaganfallähnliche Episoden) beträgt das mediane Überleben nach der ersten Manifestation je nach Studie und Population etwa 40-50 Jahre (die meisten Daten stammen aus Studien von 2010-2020). Bei MERRF (myoklonische Epilepsie mit zerlumpten roten Fasern) ist das mediane Überleben ebenfalls sehr variabel: einige Jahrzehnte, mit großen individuellen Unterschieden. Beim Leigh-Syndrom, das normalerweise im Säuglingsalter auftritt, ist die Prognose schwerwiegender: Viele Kinder sterben vor dem sechsten Lebensjahr, obwohl auch langsamere Formen beschrieben wurden. Diese Zahlen beziehen sich auf große Gruppen und sagen nichts über eine Person aus. In derselben genetischen Form können zwei Patienten aufgrund des genetischen Hintergrunds, der Umgebung und des Zufalls einen sehr unterschiedlichen Verlauf haben.

Schwere/fortgeschrittene Phase

Einige Patienten, insbesondere bei frühen Manifestationen und schweren genetischen Formen, können einen Punkt erreichen, an dem lebenswichtige Organe (Herz, Gehirn, Nieren) stark abnehmen.

**Häufige Beschwerden: **
- Schwere Muskellähmung oder vollständige Immobilität
- Herzinsuffizienz mit Flüssigkeitsretention
- Schwere Gehirnerkrankungen: Anfälle, Demenz, Koma
- Atemversagen (Atemprobleme); einige benötigen ein Beatmungsgerät
- Schwere Niereninsuffizienz, manchmal mit Nierentransplantation
- Schwerwiegenderer Gewichtsverlust und Mangelernährung trotz Unterstützung
- Sepsis oder schwere Infektionen aufgrund eines gestörten Immunsystems
- Multiorganversagen

**Bedeutung für das tägliche Leben: **
In dieser Phase sind die Patienten in der Regel vollständig auf Pflege angewiesen, häufig in einem Krankenhaus oder Pflegeheim. Palliativpflege und Komfort werden zu einer Priorität.

**Zahlen zu dieser Phase: **
Bei den schwersten Formen (z. B. Leigh-Syndrom mit früher Manifestation) liegt das mittlere Todesalter oft bei mehreren Jahren, obwohl vieles vom Subtyp und individuellen Faktoren abhängt. Bei weniger schweren Formen können Patienten jahrzehntelang in dieser Erkrankung leben. Genaue Prognosezahlen sind schwierig, weil die Heterogenität so hoch ist und viele Daten aus klinischen Erfahrungen stammen, nicht aus großen prospektiven Studien.

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Wann Sie Ihren Arzt kontaktieren sollten

Viele Symptome mitochondrialer Erkrankungen können allmählich auftreten. Es gibt jedoch Anzeichen, bei denen es sinnvoll ist, schnell Ihren Arzt anzurufen oder aufzusuchen:

- **Neue Herzrhythmusstörungen, Brustschmerzen, Kurzatmigkeit: ** Dies kann auf eine kardiale Beteiligung hindeuten und erfordert eine schnelle Abklärung.
- **Plötzlicher Verlust des Sehvermögens, starke Kopfschmerzen mit Steifheit oder Verwirrung, neu auftretende Anfälle: ** Diese können auf akute zerebrale Gefäßkomplikationen hinweisen (insbesondere solche mit MELAS-ähnlichen Formen) und erfordern eine Notfallbehandlung.
- **Starkes Atmen, chronischer Husten oder Infektionen: ** können auf eine Lungenbeteiligung hinweisen.
- **Starke Müdigkeit, Gewichtsverlust trotz normaler Ernährung oder zunehmende Muskelschwäche im Laufe von Tagen/Wochen: ** können auf eine beschleunigte Progression hinweisen.
- **Neue oder stärker werdende Nierenprobleme, (anhaltender) hoher Blutzucker: ** erfordert ärztliche Behandlung.
- **Arzneimittelnebenwirkungen oder neue Symptome nach Beginn der Einnahme des Arzneimittels: ** Die Behandlung kann zu Energieproblemen beitragen und verdient eine Neubewertung.

_Diese Informationen ersetzen niemals das Urteil eines Arztes. Bespreche deine Situation immer mit deinem Behandler._

Die Phasen in Zahlen

Keine Zahlen pro Phase

Zahlen pro Phase werden nur für Krebserkrankungen erfasst, bei denen bei der Diagnose dokumentiert wird, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Bei dieser Krankheit beschreiben die Phasen den Krankheitsverlauf, und es gibt keine separaten Sterbe- oder Überlebenszahlen dafür.

Eine Zahl über Tausende von Menschen sagt nichts über einen Menschen aus. Diese Zahlen gelten für alle Altersgruppen, Gesundheitszustände und Gesundheitssysteme zusammen. Was sie für deine Situation bedeuten, kann dir nur dein eigener Behandler sagen.

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Verwendete Quellen

Über jeder Quelle steht in einem Satz, worum es in der Forschung geht, damit Sie sich nicht auf einen englischen Fachbegriff verlassen müssen. Weitere Studien über mitochondriale Erkrankungen finden Sie bei Veröffentlichungen und Studien.

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codex.care gibt keine medizinische Beratung. Bespreche Beschwerden, Medikamente und Behandlungsentscheidungen immer mit deinem Behandler.